Seit 2004 ist Botulunimutoxin Typ A in Deutschland für die Behandlung von Hyperhidrose zugelassen. Dieses “Gift” erweist sich als eine äußerst effektive, lang wirksame und nebebenwirkungsarme Behandlungsmethode der axillären Hyperhidrose zu sein. Aber auch bei anderen Formen der fokalen Hyperhidrose scheint der Einsatz zu wirken. Hier ist die Behandlung wenig effektiv und sehr schmerzhaft. Im Folgenden werde ich alles beschreiben was du dazu wissen musst. 

Botulinumtoxin heißt "Wurstgift. Bakterien produzieren das Gift und können sich be falscher Lagerung auch in Wurst  vermehren.  

Botulinumtoxin heißt "Wurstgift. Bakterien produzieren das Gift und können sich be falscher Lagerung auch in Wurst vermehren. 

Allgemeines:

Als aller erstes: Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das stärkste natürliche Gift der Welt. Schon ein milliardstel Gramm ist für den Menschen tödlich. Dieses Nervengift wird von Bakterien produziert, die sich zumeist im Erdreich aufhalten. Unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Temperatur und Feuchtigkeit) vermehren sie sich jedoch auch im Schweinefleisch. Im Jahre 1820 schrieb der württembergische Arzt Dr. Justinus Kerner das erste Mal über die Symptome dieses Giftes. In seinem Buch “Vergiftungen durch verdorbene Würste” beschrieb er typische Vergiftungserscheinungen von Botulinumtoxin.

Er beschrieb Muskellähmung, Doppelsehen und aussetzen typischer Körperfunktionen bis hin zum Tod. Er vermutete eine Vergiftung durch “Wurstgift”. Er tauft die Krankheit Botulismus, abgeleitet von dem lateinischen Wort Botulus (Wurst). Das Wurstgift heißt somit Botulinumtoxin. 

Was ist Botulinumtoxin? 

Bakterien produzieren 7 verschieden Typen von Botulinumtoxin. Typ A ist das meist verwendete.

Bakterien produzieren 7 verschieden Typen von Botulinumtoxin. Typ A ist das meist verwendete.

Botulinumtoxin ist ein Nervengift und wird von dem Stäbchenbakterium Clostridium botulinum bei seiner Vermehrung produziert. Es bestehen 7 verschiedene Typen (A-G). Medizinisch wird Botulinumtoxin A am häufigsten verwendet, da dieser Typ am potentesten gilt und die wenigsten Nebenwirkungen aufweist.

1977 benutzte der amerikanische Augenarzt Alan B. Scott das erste Mal Botulinumtoxin in der Medizin. Ein Paar Jahre später wurde Botulinumtoxin A bei verschiedenen Spastiken erfolgreich eingesetzt. 1992 veröffentliche ein amerikanischer Arzt eine Arbeit über den glättenden Effekt von auf Hautfalten durch das Gift. Heutzutage ist Botulinumtoxin A für 20 verschiedene Symptomatiken in 70 verschiedenen Ländern zu gelassen. 

Botulinumtoxin A ist ein Wirkstoff und wird von Pharmaindustrien als eigenes Medikament vermarktet. Botox® ist wohl der geläufigste Name unter dem Botulinumtoxin A seit 1989 als Wirkstoff verkauft wird. Unteranderem gibt es noch Dysport®, Xeonim® und Neurobloc® (B-Typ). Dabei steht aber Botox® mit 85% des weltweiten Marktanteils an erster Stelle. Seit 2004 wird weltweit ausschließlich Botox® zur Behandlung der axillären Hyperhidrosis zugelassen.  Die meisten Studien wurden mit diesem Produkt durchgeführt. 

Wie wirkt Botox®?

Botox® wird gespritzt. Der Wirkstoff, Botulinumtoxin A, wirkt dabei hemmend auf die Nervenzelle im Gewebe. Im Grunde verhindert das Botulinumtoxin verschiedene Prozesse in der Nervenzelle. Die Folge: Acetylcholin kann nicht mehr in den den synaptischen Spalt gelangen und wirken. Acetylcholin ist ein Neurostransmitter, ein Signalwirkstoff der für ein Großteil bewusster und unbewusster Prozesse im Körper verantwortlich ist. Muskelkontraktionen und Schweißsekretion werden durch Acetylcholin gesteuert.

100 U Botox kosten 413€ (Stand, 2012)

100 U Botox kosten 413€ (Stand, 2012)

Unsere Schweißdrüsen haben Sekretzellen, durch die die Schweißdrüsen durch ein komplexen biochemischen Prozess aktiviert werden. An diese Sekretzellen führen Nerven. Die Nerven übertragen Informationen mit Hilfe der Nervenzellen und Neurotransmitter. Acetylcholin ist so ein Neurostransmitter. Wenn die Nervenzellen ein bestimmtes Signal bekommen, dann schütten diese hauptsächlich Acetylcholin aus. Das Acetylcholin wird in den synaptischen Spalt zwischen Nervenzelle und Sekretzelle gelassen.  Dort dockt an die Sekretzellen der Schweißdrüsen an und bezwingt ein biochemisches Verfahren, dass die Schweißdrüsen aktiviert. Wir schwitzen. Wird nun Botox® in diesen Bereich gespritzt “lähmt” es die Nervenzellen, die danach kein Acetylcholin mehr ausscheiden können. Durch bestimmte Proteinketten wird die Ausscheidung von Acetylcholin verhindert. Diese Proteinketten verhalten sich wie Türsteher, die kein Acetylcholin durchlassen. Dieses wird dann in der Nervenzelle wieder abgebaut.

Weil kein Acetylcholin in den synaptischen Spalt dringen kann, wird auch die Sekretzelle nicht aktiviert. Die Schweißdrüsen bekommen kein Signal und das Schwitzen wird verhindert.  

Botulinumtoxin A braucht eine Weile bist es sich im Gewebe verbreitet und in die Nervenzellen eindringt. Je nach Einsatzgebiet kann es mehrere Stunden bis zu zwei Wochen dauern bis das Botulinumtoxin die volle Wirkungskraft erreicht hat. 

Die “Lähmung” der Nervenzelle ist nicht permanent. Die Nervenzellen reparieren sich selbst nach und nach. Die Wirkungs-Durchschnittsdauer hängt sehr stark von dem Einsatzgebiet ab. Es handelt sich aber meistens immer um mehrere Monate. 

Einsatz von Botox® an Händen, Füßen und Achseln

Botox® wird bei verschiedenen Formen der fokalen Hyperhidrose eingesetzt. Im Folgenden werde ich den Einsatz bei der primärer axillären Hyperhidrose (PAH), der primären palmaren Hyperhidrose (PPmH) und bei der primären plantaren Hyperhidrose (PPtH) beschreiben. 

Primäre axilläre Hyperhidrose

Verschiedene Studien und Ärzte beschreiben den Einsatz von Botox® bei axillärer Hyperhidrose als “hervorragend geeignet”. Diese Behandlung sollte jedem Patienten angeboten werden, der Medikamente oder Antitranspiranten nicht gut verträgt oder diese nicht den gewünschten Erfolg erzielen. 

a) Der Jod-Stärke-Test, um die stark-schwitzenden Gebiete zu verdeutlichen. b.) Das Spritzen von Botulinumtoxin. Per Achsel erfolgen in der Regel 10-20 Einstiche c.) Der Jod Stärke-Test nach 4 Wochen. Schweißverminderung liegt durchschnittlich bei 83,5%. 

a) Der Jod-Stärke-Test, um die stark-schwitzenden Gebiete zu verdeutlichen. b.) Das Spritzen von Botulinumtoxin. Per Achsel erfolgen in der Regel 10-20 Einstiche c.) Der Jod Stärke-Test nach 4 Wochen. Schweißverminderung liegt durchschnittlich bei 83,5%. 

Die Wirksamkeit von Botox® wurde durch zahlreiche Doppelblind-Studien bestätigt. In einer europäischen Studie zum Beispiel wurden 320 Patienten 50 U Botox® per Achsel gespritzt. Der Therapieerfolg lag bei 94% und die Schweißabsonderung verringerte sich um durchschnittlich 83,5%. Durchschnittlich wirkte das Botox® um die 7 Monate. Bei 28% der Patienten sogar 16 Monate. 

Die Dauer der Wirkung unterscheidet sich individuell und kann sich mit wiederholtem Einsatz verringern. Nach dem 2. oder 3. Mal kann die Wirkungs-Dauer nur noch 3 Monate betragen.

Wie fühlt es sich an? Zuerst wird ein Jod-Stärke-Test durchgeführt. Dieser Test stellt die übermäßig schwitzenden Areale unter deinen Achseln dar. Dieser Test erfolg aus zweierlei Gründen. (1) Wird nachgewiesen, dass du wirklich unter axillärer Hyperhidrose leidest und (2) welcher Areale im Achselbereich am meisten Schweiß absondern. So weis der Doktor wo er ein bisschen mehr bzw. ein bisschen weniger spritzen soll. 

Das Spritzen an sich ist sehr unangenehm, aber erträglich. Es dauert ungefähr 60 Sekunden per Achsel, wobei die zweite Achsel empfindlicher zu sein scheint. Der Schmerz ist ziehend und sehr "schrill". Die Achselgegend hat empfindliche Nervenbahnen. 

Primäre palmare Hyperhidrose

Wie auch bei der PAH sollten bei der primären palmaren Hyperhidrose (PPmH) alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sein. Üblicherweise sind dies topische Behandlungen. Behandlungen mit Salbe und die Schwachstromtherapie, auch Leitungswasser-Iontophorese bezeichnet, wird hier am meisten verwendet. 

Bis zu 100 U Botox® per Handfläche können ziemlich schmerzhaft. Betäubungssalben werden verwendet.

Bis zu 100 U Botox® per Handfläche können ziemlich schmerzhaft. Betäubungssalben werden verwendet.

Anwendung von Botox® an der PPmH wird seltener durchgeführt. Die Durchführung erweist sich als komplexer, es müssen höhere Dosen von Botox® gespritzt werden und die Behandlung als solches erweist sich als ziemlich schmerzhaft. Zur Schmerzlinderung werden Anästhetika (Gel, Spray usw.) oder Coolpacks verwendet. Zudem lässt die Effektivität zu wünschen übrig. Im Falle eine PPmH Behandlung wird die Schweißabsonderung um jegliche 50% gesenkt. Die Wirkungsdauer hält durchschnittlich nur 4-5 Monate.

Patienten sollten sich auch bewusst sein, dass eine Handmuskelschwäche einsetzten kann und besonders Patienten mit manuellen Berufen beinträchtigen kann. Meistens wird diese aber als mild wahrgenommen. Die Handmuskelschäche beginnt innerhalb von 1-3 Tagen nach Behandlung und hält für 4-8 Wochen an. 

Primäre plantare Hyperhidrose

Die Studien bezüglich der Behandlung der primären Plantaren Hyperhidrose fallen sehr gering aus. Es werden üblicherweise 50-250 U Botox® per Fußsohle verwendet. Die Wirkungsdauer bezieht sich dabei auf Durchnittlich 4,5 Monate. Mit einer Muskelschwäche wie bei der Plantagen Hyperhidrose muss nicht gerechnet werden. Im Allgemeinen wird von der Botox® Behandlung für die PPtH auf Grund der geringen Effektivität, der hohen Dosis und des Schmerzes eher abgeraten.

Hat Botox® Nebenwirkungen

Botox® wird im Allgemeinen als sehr gut verträglich beschrieben. Nichtsdestotrotz gibt es Nebenwirkungen. 

Die am Verbreiteten Symptome sind Schwellungen, Kribbelgefühl und Hämatome an den Injektionsstellen. Auch Entzündungen im Behandlungsgebiet wurden Beobachtet. Des Weiteren kann bei der palmaren Behandlung Muskelschwäche auftreten. 

Einige Patienten berichten über kompensatorisches Schwitzen. Dabei Schwitzen die Patienten an unbehandelten Arealen. Dies Art der Nebenwirkung kann sowohl bei der PAH, der PPmH und der PPtH erfolgen. 

Forschungen mit Ratten haben nachgewiesen, Botulinumtoxin A wirkt nicht nur in der Injektionsregion. Es breitet sich auch auf andere Areale im Körper aus und wurde sogar im Gehirn nachgewiesen. Langzeitfolgen der Patienten wurden bisweilen nicht beobachtet. 

Zum Schluss eine Doku über Botox: 

Die Behandlung der Hyperhidrose wird hier nicht erläutert.


Quellen:

Bechara, PD Dr FG. "Aktuelle Therapie der fokalen Hyperhidrose." Der Hautarzt 60.7 (2009): 538-545.

Hosp, C., Naumann, M. K., & Hamm, H. (2012). Botulinumtoxin bei fokaler Hyperhidrose. Der Hautarzt63(6), 469-476.

Schlereth, T., Dieterich, M., & Birklein, F. (2009). Hyperhidrose–Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen. Deutsches Aerzteblatt International,106(3), 32-37.


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AuthorAndrej U.