Meine Stark-Schwitz-Situation: Präsentationen

Meine Stark-Schwitz-Situation: Präsentationen

Schon vor langer Zeit habe ich mich gefragt in welche Kategorie meine Hyperhidrose einzuordnen ist. Ist mein Schwitzen nun thermoregulatorisch oder emotional beding? 

Mir ist immer wieder aufgefallen, dass ich in stresshaften Situationen - wie zum Beispiel das Geben von Präsentationen - übermäßig schwitze. Wenn solche Situation auftreten, dann wird mir zudem auch warm. 

Mit anderen Worten: Wenn ich präsentiere und anfange zu schwitzen, dann glühe ich und würde am liebsten alle meine Kleider ablegen. 

Mir ist aber auch aufgefallen, dass ich engen T-Shirts oder Pullis schneller anfange zu schwitzen. Luftzirkulation an den Achseln (hier schwitze ich am meisten) finde ich äußerst angenehm. Wärme an meinen Achseln (enge Kleidung) kann ich nicht ausstehen.   

 

In welche Kategorie kann ich mich nun einordnen? 

Wer sich ein wenig mit seiner Hyperhidrose beschäftigt hat, wird festgestellt haben dass neben den Einteilungen primär/sekundär und generalisiert/fokal, noch eine wichtige Einteilung benutz wird: thermoregulatorisches und emotional-bedingtes Schwitzen. 

Im Folgenden möchte ich diese zwei Kategorien beleuchten, von einander unterscheiden und dir helfen herauszufinden in welche Kategorie du hauptsächlich gehörst - wenn überhaupt. 

Du wirst herausfinden, es ist nicht so einfach die Trennung zwischen emotional bedingtem und thermoregulatorischem Schwitzen zu ziehen. Beide Arten beeinflussen sich gegenseitig und stimulieren zentralen Mechanismen. Diese lösen verschiedene physiologische und physiologische Reaktionsmuster aus und bringen dich zum schwitzen. 

Ob Wärme oder Emotionen für dein Schwitzen verantwortlich sind, ist auf den ersten Blick vielleicht nicht so wichtig. Trotzdem, "Wissen ist Macht" und vielleicht inspiriert dich ja dieses Wissen zu neuen Verfahren, um deine Hyperhidrose in den Griff zu bekommen. 

Was heißt thermoregulatorisch zu schwitzen?

Alle Menschen schwitzen bei erhöhter Raum- oder Körperkern-Temperatur

Alle Menschen schwitzen bei erhöhter Raum- oder Körperkern-Temperatur

Das wichtigste erstmal vorab: Alle Menschen schwitzen thermoregulatorisch.

Die Schweißdrüsen werden durch das sympathische Nervensystem gesteuert. Dieses bedient sich mehrerer Regelkreise. 

Die Erhöhung der Körperkern-Temperatur und der Hauttemperatur erregt bestimmte Temperatur-Rezeptoren im Körper und auf der Haut. Diese Rezeptoren leiten diese Informationen über das zentrale Nervensystem, welches über das Rückenmark und Hirnstamm führt, bis zum Gehirn weiter. 

Der Hypothalamus reguliert das thermoregulatorische Schwitzen

Im Gehirn verarbeitet der Hypothalamus, ein kirschkern-großes Areal, die Informationen, die es von den Temperatur-Rezeptoren bekommen. Der Hypothalamus hat unteranderem die Aufgabe die Körpertemperatur auf konstanten 37°C zu halten (bei Fieber höher). 

Wenn die Temperatur zu hoch oder zu niedrig ist, leitet der Hypothalamus durch komplexe Reaktionsmuster die Thermogenese ein (Muskelzittern, um den Körper zu erwärmen) oder er induziert die Wärmeabgabe durch das Schwitzen und die Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße). 

Sollte die Wärmeabgabe durch das Schwitzen eingeleitet werden, dann werden zu meist die Schweißdrüsen am ganzen Körper stimuliert. Handflächen und Fußsohlen sind zum Beispiel durch das thermoregulatorische Schwitzen weniger betroffen. 

Die Heftigkeit der Schweißsekretion hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen hängt es von der Zahl der funktionierenden ekkrinen Drüsen am Körper ab. Diese Zahl ist teils genetisch bedingt und unterliegt zum anderen Teil Umweltbedingungen, die während der Kindheit erfahren wurden (z.B. Klima). 

Im üblichen wird die Schweißrate durch die Hauttemperatur und die Körperkern-Temperatur reguliert. Eine lokale Erwärmung der Haut steigert zum Beispiel die Schweißsekretion, während eine Abkühlung diese senkt. Und die Thermogenese (z.B. Muskelaktivität) steigert die Körperkern-Temperatur und erhöht somit den Schweißfluss.  

Zu beachten ist aber, dass die Schweißrate keinem linearen Verlauf folgt. Es sind immer komplexe Zusammenhänge zwischen der Körpertemperatur und der Körperkern-Temperatur, die die Schweißproduktion bestimmen. 

Thermoregulatorisch und Emotional-bedingt: Meine Theorie

Ich erkläre mir das so: Stell dir vor ich bin mit meiner warmen/engen Strickjacke unterwegs. Dadurch ist eine lokale Erwärmung an meinen Achseln gegeben. Die Hemmschwelle zum Schwitzen wird gesenkt. 

Wenn jetzt Stress dazukommt, erhöht sich meine Körperkern-Temperatur durch innerliche Anspannung, extra aufgebrachte Energie usw. Ich glaube hier gehen das emotional-bedingte und das thermoregulatorische Schwitzen Hand in Hand.  

Mir wird auf einmal unglaublich heiß. Ich schwitze am ganzen Körper. Vor allem aber unter den Achseln. Instinktiv kneife ich meine Arme zusammen. Die Nässe und die zusätzliche Wärme senken die Hemmschwelle um ein weiters. Ich schwitze mehr und werde noch mehr nervös wodurch meine Körpertemperatur noch weiter erhöht wird. Der Teufelskreislauf beginnt. 

Tipps (thermoregulatorisches Schwitzen): 

  • trage luftige Kleidung (nicht eng anliegend)
  • habe die Möglichkeit Kleidungstücke abzulegen wenn dir warm wird und diese wieder anzulegen wenn dir kalt wird oder du die Schweißflecken verbergen möchtest
  • Baumwolle eignet sich immer besser als Polyester und Wolle (Ausnahme ist vielleicht High-Tech Kleidung welche aus Polyester besteht)
  • Meide wenn es geht hohe Luftfeuchtigkeit 

 

Was heißt emotional-bedingt zu schwitzen?

Emotionen steuern das Schwitzen

Emotionen steuern das Schwitzen

Das emotionale-bedingte Schwitzen wird als Resonanz auf eine emotional ergreifende Situation erfahren. Diese Situation kann visuell sein (ich beobachte einen Autounfall), kognitiv (ich mache mich wegen meiner Prüfung verrückt) oder sozial (ich sitze in einem Bewerbungsgespräch) geprägt sein.

Oft überschneiden sich diese Situationen. Zum Beispiel: Beim Bewerbungsgespräch (sozial) guckt mich der Chef "böse" an (visuell) und jetzt mache ich mich verrückt, weil ich den Job dringend brauche (kognitiv).

Durch das emotional-bedingte Schwitzen wird auch das Gewebe der sensorisch wichtigen Handflächen und Fußsohlen ernährungs- und stoffwechsel-technisch versorgt (die Gründe hierfür liegen wohl eher in der Evolution). 

Diese Art vom Schwitzen wird größtenteils vom limbischen System gesteuert. Aber auch der Präfrontalkortex spielt hier eine wesentliche Rolle.

Im limbischen System ist die Amygdala wohl die Hauptschnittstelle wenn es um die emotional-bedingte Schweißabsonderung geht. Sie induziert bei Stress, Anspannung und anderen Emotionen durch verschieden Reaktionsmuster den Schweißfluss. 

Der Schweißfluss geht einher mit einer flacherer Atmung, größeren Pupillen, stärkerer Durchblutung der Muskeln (dadurch wird auch die Körperkern-Temperatur erhöht) und größerer Sauerstoffmenge im Blut. Alles Anzeichen der evolutionären Kampf-Flucht Reaktion. 

Evolutionäre Reaktionsmuster spielen beim Schwitzen eine immens große Rolle

Evolutionäre Reaktionsmuster spielen beim Schwitzen eine immens große Rolle

Beim emotional-bedingten Schwitzen werden vor allem die Schweißdrüsen im Gesicht, den Achseln, an den Handflächen und den Fußsohlen angeregt. 

Während beim wärme-bedingten Schwitzen die Wärmeabgabe durch Vasodilation (Erweiterung der Blutgefäße) stattfindet, wird beim emotional-bedingten Schwitzen die Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße) eingeleitet. Dadurch steigt die Körperkern-Temperatur um ein weiteres. 

Ansonsten folgt die Schweißproduktion den gleichen Reaktionsmustern wie beim thermoregulatorischen Schwitzen. 

Tipps (emotional-bedingstes Schwitzen):

Hier geht es vor allem darum deine Amygdala zu trainieren den Kampf-Flucht Reflex und damit das Schwitzen nicht auszulösen 

  • Meditiere, mache Stress- oder Atemübungen, die du auch in sozialen Situationen anwenden kannst
  • Mische dich öfters unter Menschen, um deine Angst zu minimieren
  • Gehe zum Kampfsport, Bergsteigern usw. um dein Selbstbewusstsein zu steigern
  • Werde Achtsamer im Alltag und fange an festzustellen wann und warum du schwitzt
  • Fange an über dein Leiden zu sprechen, offenbare dich engen Freunden oder Verwandten
  • Schreibe und lese in Foren oder kommentiere diesem Blog
  • Im Extremfall suche dir (psychologische) Hilfe 

 

Schlussfolgerung:

Obwohl das wärme- und emotional-bedingte Schwitzen meistens kategorisch getrennt wird, finde ich, dass diese Unterscheidung zumindest auf mich (primäre fokale Hyperhidrose) nicht zutrifft. 

Ich habe meine Schwitzattacken öfters bei hoher Körpertemperatur, oder wenn ich schwere Kleidung trage. 

Wenn ich zum Beispiel netzwerke, dann würde ich dies am liebsten im Unterhemd tun. Wenn viele Menschen um mich herum sind und es hektisch wird, dann steigt meine Körpertemperatur. 

Wenn ich alleine bin, dann habe ich es lieber warm und kuschelig. Ich sitze lieber im luftigen Pullover hinter dem Computer, während andere ein T-Shirt bevorzugen. 

Leichter Stress erhöht meine Körperkern-Temperatur und bei hohen Raumtemperaturen bin ich leichter "stressbar". Ich finde thermoregulatorisches und emotional-bedingtes Schwitzen stehen immer in Wechselbeziehungen zu einander.

Alles hängt mit einander zusammen. Ein schönes Schlusswort, oder? 

 

Wie schwitz du? Wärme-bedingt oder Stress-begingt? Kommentiere weiter unten.

 

Literaturnachweis:

Asahina M, Suzuki A, Mori M, Kanesaka T, Hattori T: Emotional sweating response in a patient with bilateral amygdala damage. Int J Psychophysiol. 2003; 47: 87–93. 

Hensel H: Thermoreception and temperature regulation. Monogr Physiol Soc 1981; 38: 1–321.

Janig W: Functions of the sympathetic innervation of the skin. In: Loewy AD (Hrsg): Central Regulation of Autonomic Functions. New York: Oxford University Press 1990; 334–48. 

Schlereth, T., Dieterich, M., & Birklein, F. (2009). Hyperhidrose–Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen. Deutsches Aerzteblatt International,106(3), 32-37.


Hallo, ich bin Andrej. Knapp 15 Jahre litt ich an meiner Hyperhidrose. Ich habe viel recherchiert und meine persönliche Formel entdeckt, um das starke Schwitzen zu stoppen. Jetzt möchte ich, das auch DU deine Formel findest. Jede Woche schreibe ich einen neuen Artikel. Soll ich für dich etwas recherchieren? Fülle dieses Formular aus.

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AuthorAndrej U.