Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich liebe es in die Sauna zu gehen. Mindestens 3 Mal die Woche gehe ich für mindestens 10 Minuten in die Sauna. Ich genieße es dort zu liegen und schwitzen, die kalte Dusche danach zu nehmen und die Entspannung, danach zu spüren. 

Viele Menschen sind von den positiven Effekten, die die Saunagänge auf Körper und Geist haben überzeugt und würden beschwören, dass die Sauna das Immunsystem stärkt, den Kreislauf anregt und zur allgemeinen Entspannung beiträgt. 

Dabei kann die Hitze aber noch viel mehr tun. Ich habe mich mal auf die Suche gemacht und in der wissenschaftlichen Literatur recherchiert, um festzustellen was Saunagänge für mich und andere Hyperhidrotiker tun können. Wie es sich herausgestellt hat: Eine ganze Menge. 

Schon vor längerer Zeit bin ich über einen Artikel auf einer Webseite gestolpert, der besagte, dass Saunagänge sich positiv auf die Hyperhidrose ausüben. Da keine weiteren Quellen erwähnt wurden, dachte ich mir nichts weiter dabei. "Es kann schon möglich sein.", ging mir dabei durch den Kopf. 

Dies war eines der Gründe warum ich vor 16 Monaten die Sauna besuchte.  Letzen Monat bin ich dann auf einen interessanten Artikel gestoßen, der die positiven Effekte der Sauna zusammenfasst. 

Es ist schon interessant: Man stresst seinen Körper für eine geringe Zeit, um danach die positiven Eigenschaften der körpereigenen Abwehr- und Anpassungsmechanismen im alltäglichen Leben zu spüren.

Leider gibt es keine wissenschaftliche Untersuchungen, ob und wie Saunagänge auf die Hyperhidrose wirken. Meine Recherche verspricht aber Positives und durch meine eigenen Erfahrungen bin ich überzeugt, dass regelmäßige Saunagänge die Hyperhidrose mildern.  Hier heist es dann wohl:: Man Schwitzt gegen das übermäßige Schwitzen. 


Wichtige Warnung:

Bevor du die Informationen hier liest, muss ich dich warnen: Hitze ist kein Scherz. Auch wenn Saunagänge deiner Gesundheit helfen und das Schwitzen reduzieren können, übertreibe es nicht!

Hitze kann dir schnell Schaden zufügen und dich sogar töten! 

Alle hier beschriebenen Fakten und Beispiele sind ausschließlich als Informationen zu betrachten. Ich erwarte, dass du verantwortlich mit diesen Informationen umgehst. Du würdest dir und mir keinen Gefallen tun, wenn du dir selber schadest. 

Okay, das musste sein und da wir das nötigste jetzt aus dem Weg geräumt haben, geht es jetzt ausschließlich darum, was die Sauna für dich und deine Hyperhidrose tun kann. 

Was kann die Sauna für dich und deine Hyperhidrose tun?

Um Grunde mögen wir es nicht, wenn es zu heiß wird. Hitze tut uns nicht gut und wenn es zu heiß wird, können wir schlechter Denken und Handeln. Die körpereigenen Mechanismen greifen und tun alles daran unseren Körper zu kühlen. 

Der Hypothalamus sendet Singale an die Schweißdrüsen. Es wird soviel Schweiß produziert bis die Körpertemperatur wieder in dem Normalzustand ist. Dabei wird Wasser aus dem Blut entnommen und durch die Schweißdrüsen an die Hautoberfläche gepumpt. Des Weiteren weiten sich unsere Blutgefäße, damit Wärme entweichen kann.

Kann die Wärme nicht abweichen, kommt es zum Hitzestau. Dabei wird der ganze Körper durchblutet und alle Bereiche erwärmt. Die Wärme wird sozusagen über den ganzen Körper verteilt. 

Der Körper befindet sich in einem Stresszustand und aktiviert verschieden Mechanismen und Reaktionsmuster, um diese lebensbedrohlichen Situation zu überstehen. 

Ist der Saunaaufenthalt zu lang stirbt der Mensch an Hitzestau. Begibt sich die Person rechtzeitig aus der Sauna, dann bereit sich der Körper auf den nächsten Saunagang besser vor.  Diese Vorbereitung sichert ein längeren Aufenthalt und damit ein längeres Überleben. 

Dabei werden körpereigene Prozesse und Mechanismen aktiviert, die Körper und Geist verändern. Werden die Saunagänge wiederholt (dies heißt auch hyperthermische Konditionierung), dann festigen sich diese Veränderungen von Körper und Geist. 

Rhonda Perciavalle Patrick, Ph.D. hat in einem Video zusammengefasst wie Saunagänge bzw. hyperthermische Konditionierung Körper und Geist verändern.

Ich zähle weiter unten nur die Veränderungen auf, die meiner Meinung nach mit der primären Hyperhidrose in Verbindung stehen.


1.) Saunagänge machen stressresistent und stärken das Herz.

Temporäre Hitze erhöht die Fitness des Menschen. Zudem steigt auch die Toleranz zu Stress. Man wird also Stressresistenter. 

Stress ist ein Faktor der bei vielen Hyperhidrotiker das übermäßige Schwitzen auslöst. Dabei können es soziale oder psychologische Begebenheiten sein, die als stresshaft empfunden werden. Bei Stressresistenz wird die Hemmschwelle zum empfundenen Stress gesenkt. Das Schwitzen kann auf diese Art und Weise minimiert werden. 

Zudem fließt bei der hyperthermischen Konditionierung mehr Blut zum Herzen und der Kreislauf wird angeregt. Das Herz und der Blutkreislauf wird damit trainiert. Das Herz hat danach weniger Mühe alle wichtigen Organe mit Nährstoffen zu versorgen. Der Herzschlag wird somit verringert.

Man könnte auch sagen: Das Herz wird gestärkt. Damit wird es gegen äußere und innere Einflüsse resistenter. Ich nehme an, dass der kohärente Rhythmus des Herzens besser gewährleistet kann, da das Herz Stress besser verarbeiten kann. 

Was das Herz mit der Hyperhidrose zu tun hat. Kannst du in meinen vorherigen Artikeln nachlesen:

2.) Saunagänge senken die Körperkern-Temperatur

Zuvor hatte ich schon über den Unterschied zwischen thermoregulatorischen und emotional-bedingen Schwitzen geschrieben.

Meiner Meinung nach sind diese Unterschiede überflüssig, da bei einer primären Hyperhidrose beide Arten des Schwitzens gleichzeitig stattfinden. Erhöht sich die Körperkern-Temperatur so wird die Hemmschwelle zur Schweißattacke gesenkt. Und bringen einem emotional-bedingte Situationen zum Schwitzen, so wird die Körperkern-Temperatur erhöht. Du kannst es hier nachlesen:

Saunagänge erhöhen die Blutzufuhr zur Haut und aktivieren den Sympathikus. Zudem wird die Verteilung der Wärme immer wieder aufs neue praktiziert und kann dadurch im alltäglichen Leben einfacher von statten gehen. Dadurch kann die Körperkern-Temperatur dauerhaft gesenkt werden, wodurch der Hypothalamus erst später Signale an die Schweißdrüsen sendet. 

Zudem wird durch hyperthermische Konditionierung mehr Nor-Adrenalin produziert und auch gespeichert. Durch das erhöhte Nor-Adrenalin kann die Wärme noch effizienter im ganzen Körper verteilt werden. Die Folge: Die Körperkern-Temperatur wird weiterhin gesenkt. 

3.) Saunagänge reduzieren den oxidativen Stress

Weiterhin wird angenommen, dass hyperthermische Konditionierung zur hypertrophischer Muskelbildung führt. Dies ist ist in erste Linie für Hyperhidrotiker nicht so interessant. Wenn man sich den Prozess aber genau anschaut, dann wird deutlich, dass der Körper bei hypertrophischer Muskelbildung Hitze-Schock-Proteine (HSP) synthetisiert. 

Die Hitze-Schock-Proteine vernichten freie Radikale und fördern die anti-oxidantische Wirkung von Zellen. Dies wiederum hat zur Folge, dass der oxidative Stress gesenkt wird. Zudem werden Wachstumshormone aktiviert die den oxidativen Stress um ein Weiteres senken. 

In einem früheren Artikel habe ich geschrieben, dass verschiedene Wissenschaftler die Ursache der Hyperhidrose im oxidativen Stress sehen. Senkst man den oxidativen Stress, so wird die Ausprägung der Hyperhidrose verringert. 

Magnesium und Calcium zum Beispiel können den oxidativen Stress verringern und damit eine Wirkung auf die Hyperhidrose haben. Den Artikel kannst du hier nach lesen:

Saunagänge können demnach auch den oxidativen Stress senken und damit gegen die Hyperhidrose wirken. 

4.) Saunagänge erhöhen den Fokus und die Aufmerksamkeit

In anderen Studien wurde auch festgestellt, dass hyperthermische Konditionierung den Nor-Adrenalin Spiegel des Körper um 3-fache und den Prolaktin Spiegel um das 10-fache erhöhen kann. In dieser Studie wurden die Probanden bis zur Erschöpfung in den Saunen gehalten. Ich empfehle solche Saunabesuche auf keinen Fall. Aber auch geringere Aufenthalte führen zur Erhöhung von Nor-Adrenalin und Prolaktin. 

Nor-Adrenalin ist wichtig für den Fokus und die Aufmerksamkeit. Das Prolaktin ist für die Myelinisierung verantwortlin. Myelin ist für den Informationsaustausch im Gehirn wichtig. Hiermit werden die Dendriten und Axone (die Nervenbahnen im Gehrin) umhüllt. Dadurch kann der Informationsaustausch im Gehirn schneller stattfinden. 

Bezüglich der Hyperhidrose kann dies von Belang sein, da logische Denkfähigkeit und objektivere Wahrnehmung stresshafte Situationen vorbeugen können. Ein aufmerksamer Mensch ist weniger von seinen Gefühlen getrieben. 

Wie viel Sauna ist gut für mich?

Die Antwort auf diese Frage ist sehr subjektiv und liegt ganz bei dir. Wie viel Sauna jemand vertägt und ab wie viel Sauna die oben genannten Veränderungen eintreten, ist sehr individuell. 

Hier ein paar Studien bezüglich Sauna-Aufenthalt und Effekt: 

  • In einer Studie wurden Sportler zwei Mal die Woche für 30 Minuten in die Sauna geschickt. Die Temperatur der Sauna lag bei 85 Grad und die Untersuchung vollzog sich über drei Wochen. 
    • Die Sportler verbesserten ihr Durchhalte-Vermögen um 32%.
  • In einer anderen Studie begaben sich Sportler 2 Mal jeweils für 15 Minuten in eine Trockensauna (100 Grad). Zwischen den Saunagängen hatten sie 30 Minuten Ruhepausen. 
    • Das zuvor erwähne Wachstums-Hormon, dass den oxidativen Stress reduziert, wurde um das fünffache erhöht.
  • Eine andere Studie untersuchte Frauen, die 20 Minuten jeweils zweimal die Woche in die Trockensauna gingen.
    • Das Noradrenaline erhöhte sich um 86% und das Prolaktin erhöhte sich um 510%.

Dies sind nur ein paar der zahlreichen Untersuchungen, die die positiven Effekte der hyperthermischen Konditionierung andeuten. 

Meine Empfehlung

Ich empfehle jedem Sauna-Neuling sich schrittweise an die Hitze zu gewönnen. Du musst dir nichts beweisen. Meine ersten Saunagänge waren unter vier Minuten und dies war völlig okay. 

Wenn du merkst, dass dein Körper damit echt zu schaffen hat, dann hör auf. Du hast immer noch den nächsten Tag. Nach einer Weile wirst du merken, ob dir die Sauna Spaß macht und du mehr willst oder ob die Hitze doch nicht dein Fall ist. 

Mittlerweile verbringe ich mindestens meine 10 Minuten in der Sauna  (95 Grad). Wenn es mir die Zeit erlaubt, dann mache ich noch eine zweite Runde - in seltensten Fällen noch eine dritte.  Dies mache ich mindestens drei Mal die Woche. 

Schlusswort

Das paradoxe an vielen Übungen und Gewohnheiten, die die Gesundheit fördern, ist, dass wir unseren Körper erst einmal Stress zufügen müssen. Beim Sport ist es genau so wie bei den Saunagängen. 

Bei wiederholten Stress lernt der Körper sich schnell an diesen Stress zu gewöhnen und moduliert dementsprechend körpereigene Prozesse. Körper und Geist verändern sich und wir werden stressresistenter. 

Denk einfach mal an einen  Darsteller. Viele wollen immer glauben, dass ihm/ihr das Talent in die Wiege gelegt worden ist. Dies ist aber nicht wahr. Es wurde größtenteils trainiert. 

Die besten der Branche haben so lange geübt bis sie ihr Handwerk wirklich gut beherrschten. Am Anfang erfuhr jeder Darsteller viel Stress, Nervosität und Lampenfieber. Dieser Stress behinderte ihn teilweise. Durch ständig erbrachte Leistung trat eine Gewöhnung ein. Der Organismus entwickelte sich weiter, damit er mit diesen Faktoren besser umgehen konnte. Nur so kann irgendwann Exzellenz erreicht werden.  

Saunagänge sind auch eine Belastung für deinen Körper. Sie werden als Stressfaktoren aufgefasst und dein Organismus ergreift passende Gegenmaßnahmen damit du den nächsten Saunagang erfolgreicher überstehen kannst. 

Das schöne dabei ist, dass du die positiven Effekte in den Alltag mitnimmst. Solltest du deine Saunagänge zu Regelmäßigkeit machen, dann verbessern sich auch deine alltäglichen Leistungen. 

Im besten Fall wird die Hyperhidrose gemildert. 

Meine Hyperhidrose und die Sauna

Inwieweit sich die hyperthermische Konditionierung auf die Hyperhidrose auswirkt ist schwer zu sagen. Ich persönlich glaube, dass ich weniger nach meinen Saunagängen schwitze. Persönlich, sehe ich schon eine direkte Korrelation zwischen Sauna-Aufenthalt und übermäßigem Schwitzen.

Direkt nach einem Saunagang bin ich entspannter - auch in Gegenwart von Menschen. Äußere Faktoren können mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Ich reagiere langsamer. Alles um mich herum scheint einfach ruhiger und friedvoller zu sein. 

Die Sauna scheint einen entspannenden Effekt auf mein vegetatives Nervensystem zu haben. Durch diesen Effekt schwitze ich auch weniger. 

Zudem fühle ich mich stärker und männlicher. Das heißt Menschen und Situationen scheinen mir weniger anhaben zu können. Diese Glaube, lässt mich Situationen problemloser bewältigen. 

Die Sauna besuche ich jetzt regelmäßig seit 16 Monaten. In dieser Zeit habe ich auch verschiedene andere Methoden zur Reduzierung der Hyperhidrose ausprobiert. Darum kann ich schwer abschätzen inwieweit die Sauna mein Schwitzen reduziert hat.

Im Endeffekt fügt sich ein Stein zum anderen. Verschiedene Methoden fügen sich in einander und arbeiten gemeinsam. Damit rücke ich meinem Wunsch mein Schwitzen komplett zu stoppen immer wieder ein wenig näher.

Meine Saunagänge werde ich auf jeden Fall fortsetzen. Die Sauna bring einfach zu viele Vorteile mit sich. Mittlerweile sehe ich sie als einen integrativen Faktor meines Lebens.

Vor 16 Monaten ging ich in die Sauna, weil ich dachte, dass gut für mich sei. Zudem könnte es mir bezüglich meine Hyperhidrose sicherlich nicht schaden, dachte ich mir. Seit dieser Zeit hat sich meine Reise meine Hyperhidrose zu reduzieren sich nicht nur als effektiv erwiesen, sondern hat mich auch zu einem besseren Menschen gemacht. 

Mittlerweile bin ich produktiver, fokussierter und selbstbewusster in den Dingen, die ich tue. Die Saunagänge trugen ihren Teil hierzu bei.  

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für diese Woche. Wenn du Fragen bezüglich des Artikels hast, dann stelle diese ruhig unten in den Kommentaren. Ansonsten freue ich mich auch über jedes andere Kommentar - sowohl positiv, als auch konstruktiv. 

Literaturverweis: 

Eine gute Übersicht über die Vorteile von Saunagängen: Hannuksela, M. L. & Ellahham, S. Benefits and risks of sauna bathing. The American journal of medicine 110, 118-126 (2001).

Wie Saunagänge die Körperkern-Temperatur senken können: Ricardo J. S. Costa, M. J. C., Jonathan P. Moore & Neil P. Walsh. Heat acclimation responses of an ultra-endurance running group preparing for hot desert-based competition. European Journal of Sport Science, 1-11 (2011).

Wie Saunagänge den oxidativen Stress reduzieren: Selsby, J. T. & Dodd, S. L. Heat treatment reduces oxidative stress and protects muscle mass during immobilization. American journal of physiology. Regulatory, integrative and comparative physiology 289, R134-139, doi:10.1152/ajpregu.00497.2004 (2005).

Saunagänge und Prolaktin und Nor-Adrenalin: Laatikainen, T., Salminen, K., Kohvakka, A. & Pettersson, J. Response of plasma endorphins, prolactin and catecholamines in women to intense heat in a sauna. European journal of applied physiology and occupational physiology 57, 98-102 (1988).


Hallo, ich bin Andrej. Knapp 15 Jahre litt ich an meiner Hyperhidrose. Ich habe viel recherchiert und meine persönliche Formel entdeckt, um das starke Schwitzen zu stoppen. Jetzt möchte ich, das auch DU deine Formel findest. Jede Woche schreibe ich einen neuen Artikel. Soll ich für dich etwas recherchieren? 

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AuthorAndrej U.